BIOGRAFIE
Georgy Tchaidze verfügt über „eine feine Sensibilität und eine perfekt ausgereifte Technik”, schrieb The Telegraph über sein Debüt in der Wigmore Hall. Der 1. Preisträger des Honens International Piano Competition 2009 hat eine Laufbahn aufgebaut, die Klavierabende, Kammermusik, Klavierduo und Auftritte als Solist mit Orchester umfasst. International Piano hob seine „all-round musicianship” hervor, seine umfassende Musikalität. Im Zentrum dieser Bandbreite steht ein ausgeprägter Instinkt für das gemeinsame Musizieren: Die Kammermusik hat nicht nur sein Repertoire geprägt, sondern auch sein Hören – mit ihrem Gespür für Dialog, Struktur und den Charakter jeder einzelnen Stimme.
Dieses Hören trägt ein ungewöhnlich weites Repertoire. Bachs Goldberg-Variationen und Hindemiths Suite „1922”, Medtners „Skazki” und Schostakowitschs Zweite Sonate, der späte Beethoven und Strawinskys „Sacre du printemps” gehören zu ein und demselben Pianisten. Über einen Abend mit Medtner und Mussorgsky schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung, er stelle seine große pianistische Kraft ganz „in den Dienst tieferer Aussagen”; seine „Bilder einer Ausstellung” nannte sie „eine beachtliche Psychostudie”.
Im März 2027 jährt sich Beethovens Todestag zum 200. Mal, und ein großer Teil der kommenden Saison ist darauf ausgerichtet: die Klavierkonzerte Nr. 1 und 2 mit Orchester, ein einwöchiges Beethoven-Projekt in Schweden und mehrere Soloprogramme aus seinem Werk. Eröffnet wird die Saison in anderem Ton – mit den drei Violinsonaten Griegs an einem Abend, gemeinsam mit Nikita Boriso-Glebsky. Im November kehrt Tchaidze ins Wiener Konzerthaus zurück, wo er seit 2022 gemeinsam mit Boriso-Glebsky und dem Cellisten Narek Hakhnazaryan als Trio in Residence engagiert ist – diesmal mit Trios von Brahms, Babadschanjan und Bernstein.
Sein Klavierduo mit Nadezda Pisareva entstand während des gemeinsamen Studiums am Moskauer Konservatorium. Im Mai 2026 erschien das Debütalbum: „L’Adoration de la terre” (GENUIN classics) stellt Strawinskys „Sacre du printemps” für Klavier zu vier Händen – ein Werk, das die beiden seit fünfzehn Jahren begleitet – zwischen Debussys „Six épigraphes antiques” und Bartóks „Zwei Bilder”. Die Aufnahme wurde für analytische Klarheit, Transparenz und Raffinesse gelobt: klassik-heute vergab neun von zehn Punkten, Pizzicato hob den „poetischen Erzählstil” hervor. In der vergangenen Saison spielte das Duo Malcolm Arnolds selten zu hörendes Konzert für Klavier zu vier Händen mit dem Stuttgarter Kammerorchester.
Als Kammermusiker arbeitet er unter anderem mit dem Borodin, dem Brentano und dem Cecilia String Quartet zusammen sowie mit Jean-Efflam Bavouzet, Anastasia Kobekina und Kian Soltani. Über sein Turiner Debüt mit Narek Hakhnazaryan schrieb ApeMusicale 2026, er sei „ein Partner von gleichem Rang, alles andere als ein bloßer Begleiter”. Über eine frühere Aufführung von Schostakowitschs Klavierquintett mit dem Borodin Quartett urteilte der Calgary Herald, Tchaidze sei den erfahrenen Streichern Note für Note ebenbürtig gewesen – „eine Darbietung von seltener Schönheit und musikalischer Überzeugung”.
Tchaidze konzertierte mit dem Cleveland Orchestra unter Bramwell Tovey, dem Fort Worth Symphony Orchestra unter Leonard Slatkin, dem Brussels Philharmonic unter Alexandre Bloch und dem kanadischen National Arts Centre Orchestra unter Pinchas Zukerman. Er spielte in der Wigmore Hall, im Concertgebouw, in der Zankel Hall, im BOZAR und im Konzerthaus Berlin sowie bei Festivals wie Verbier, Luzern, La Roque d’Anthéron, La Folle Journée in Nantes und Tokio, Kissinger Sommer, Piano aux Jacobins und Toronto Summer Music.
Seine Diskografie umfasst drei Alben beim Label Honens, „Carnet de voyages” mit Nikita Boriso-Glebsky (Aparté) – ein Reisetagebuch aus neunzehn Miniaturen –, „Seasons Interrupted” mit dem Cellisten Trey Lee (Signum Classics) und die Duo-Einspielung bei GENUIN.
1988 in St. Petersburg geboren, erhielt Tchaidze mit sieben Jahren Klavier- und Violinunterricht. Er studierte bei Sergej Dorenski in Moskau und bei Klaus Hellwig in Berlin und arbeitete später bei Louis Lortie an der Chapelle Musicale Reine Elisabeth. 2015 gewann er den ersten Preis der Top of the World Competition in Tromsø, 2017 war er Finalist des renommierten Van Cliburn Competition. Seit 2010 lebt und arbeitet er in Berlin.


